Facebook-Aktien legen fulminanten Börsenstart hin

Das gefällt vielen: Die Investoren reißen sich um die Facebook-Aktien, der Preis pro Anteilsschein lag Minuten nach Handelsbeginn in New York bei 43 Dollar – damit hat der größte Börsengang eines Internet-Unternehmens fulminant begonnen.

New York – Der Handel hat begonnen, das Kürzel lautet: FB. Das soziale Netzwerk Facebook ist mit einem Kurssprung an der Börse gestartet. In New York kostete das Papier zum Handelsstart 43 Dollar. Der Wert der Aktien schnellte am Freitag nach oben, nachdem der Handel mit den Anteilsscheinen freigegeben wurde.

Beobachter rechneten damit, dass das Papier am ersten Tag kräftig steigt. Denn die Nachfrage der Investoren war in den vergangenen Wochen derart stark, dass Facebook seinen Börsengang mehrfach ausweitete.

Aus dem fernen Silicon Valley in Kalifornien hatte Mark Zuckerberg am Freitagmorgen die Eröffnungsglocke der New Yorker Technologiebörse Nasdaq geläutet. Hunderte Facebook-Mitarbeiter hatten sich am ersten Handelstag unter freiem Himmel um den Firmengründer gescharrt. Sie feierten den größten Internet-Börsengang aller Zeiten. Viele von ihnen wurden auf einen Schlag zu Millionären.

Am Times Square in Manhattan leuchtet es Facebook-Blau

Zuckerberg stand im bekannten dunklen Kapuzenpulli vor seinen jubelnden Beschäftigten, neben ihm die fürs Tagesgeschäft zuständige Sheryl Sandberg. Die beiden umarmten sich, als die Glocke um Punkt 6.30 Uhr Westküsten-Zeit erklang. In New York war es da 9.30 Uhr und in Deutschland 15.30 Uhr. Die große Videoleinwand der Nasdaq am Times Square im Herzen Manhattans erstrahlte in Facebook-Blau.

Es ist ungewöhnlich, dass ein Firmenchef den symbolischen Termin auf dem Börsenparkett schwänzt. Allerdings ist Facebook auch ein ungewöhnliches Unternehmen – und acht Jahre nach der Gründung in einer Studentenbude endgültig ein Weltkonzern: Mit einer Bewertung von 104 Milliarden Dollar oder umgerechnet 80 Milliarden Euro ist Facebook an der Börse aus dem Stand teurer als die drei alteingesessenen deutschen Vorzeigeunternehmen BMW, Deutsche Bank und Adidas zusammen.

Facebook konnte seine Aktien am späten Donnerstag zum anvisierten Höchstpreis von 38 Dollar losschlagen. Insgesamt nahmen das Unternehmen und seine Alteigentümer damit 16 Milliarden Dollar ein. Auch Gründer und Firmenchef Mark Zuckerberg hat einen Teil seiner Aktien verkauft, aber nur, um fällige Steuern zu begleichen. Der 28-Jährige behält mit seinen verbleibenden Anteilsscheinen weiterhin die Kontrolle über das 900 Millionen Mitglieder starke Netzwerk.

Der Börsengang Facebooks ist der Höhepunkt einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Zuckerberg hatte Facebook zusammen mit Kommilitonen 2004 als digitales Jahrgangsbuch für Studenten auf die Beine gestellt. Schon im ersten Jahr zog das Netzwerk rund eine Million Nutzer an. Noch in diesem Jahr soll die Milliardenmarke geknackt werden.

Nur die Börsengänge dreier chinesischer Konzerne waren größer

Die hohe Nutzerzahl macht Facebook für die Werbeindustrie interessant und erklärt die hohe Nachfrage der Investoren. Facebook ist allerdings eine Wette auf die Zukunft, denn noch sehen die Geschäftszahlen im Vergleich zu anderen Konzernen mau aus: Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei vergleichsweise schmalen 3,7 Milliarden Dollar und der Gewinn bei 1 Milliarde Dollar.

Zuletzt waren Zweifel aufgekommen, ob die Mega-Milliarden-Wette aufgeht. So will General Motors als einer der weltgrößten Werbetreibenden vorerst keine Anzeigen mehr auf Facebook schalten, weil man die Nutzer damit kaum erreiche. Überdies nutzen immer mehr Menschen Facebook auf ihren Smartphones, wo kaum Werbung zu sehen ist und entsprechend die Einnahmen ausbleiben.

Die Zweifel hielten die Investoren letztlich aber nicht davon ab, zuzugreifen. Zusammen mit der sogenannten Mehrzuteilungsoption – eine Art Aktienreserve der Banken – könnte Facebook bis zu 18,4 Milliarden Dollar einsammeln.

Damit würde das Zuckerberg-Unternehmen an die beiden größten Börsengänge der US-Geschichte anschließen: Die Kreditkartenfirma Visa hatte 2008 inklusive Mehrzuteilung 19,7 Milliarden Dollar eingenommen und der Autokonzern General Motors im Jahr 2010 nach seinem Neustart 18,1 Milliarden Dollar. Weltweit waren lediglich die Börsengänge dreier chinesischer Finanzkonzerne noch größer.

Die wichtigsten Eckdaten des Facebook-Börsengangs auf einen Blick:

—>>> Ausgabepreis der Aktie: 38 Dollar

—>>> Zahl der platzierten Aktien: Gut 421 Millionen; hinzu kommt die sogenannte Mehrzuteilungsoption – eine Art Aktienreserve der teilnehmenden Banken – von knapp 63,2 Millionen Aktien.

—>>> Einnahmen der Aktienplatzierung: Gut 16 Milliarden Dollar; mit der Mehrzuteilungsoption können bis zu 18,4 Milliarden Dollar zusammenkommen.

—>>> Börsenwert des Unternehmens zum Start: 104 Milliarden Dollar

—>>> Größter Aktionär: Gründer Mark Zuckerberg mit 503,6 Millionen Aktien

—>>> Aktienstruktur: Es gibt zwei Arten von Aktien. Papiere der Klasse A können Investoren beim Börsengang kaufen. Sie haben jeweils eine Stimme. „Class B“-Papiere halten hingegen die Altaktionäre wie Mark Zuckerberg. Dieser Aktientyp hat zehn Mal mehr Stimmen. Damit liegen bei Zuckerberg direkt 31 Prozent der Stimmrechte. Mit Stimmen, die ihm andere anvertraut haben, kontrolliert er 57,5 Prozent. Damit kann keine wichtige Entscheidung an ihm vorbei getroffen werden.
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Quelle: spiegel.de

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